Epilepsie
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EPILEPSIE
Definition
Unter Epilepsie versteht man ein Krankheitsbild mit mindestens zwei wiederholt spontan auftretenden epileptischen Anfällen (Krampfanfällen), die nicht durch eine vorausgehende erkennbare Ursache hervorgerufen wurden. Grundsätzlich verursacht eine Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn den Krampf. Allerdings wird der Begriff Epilepsie auch bei einer Erkrankung mit häufigen oder wiederkehrenden Krämpfen verwendet. Man unterscheidet zwischen einem leichten (petit mal) oder schweren (grand mal) Krampf.
Ursache
Ein epileptischer Anfall ist Folge paroxysmaler synchroner Entladungen von Neuronengruppen im Gehirn, die zu einer plötzlichen unwillkürlichen stereotypen Verhaltens- oder Befindungsstörungen führen. Durch diese Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn entsteht ein Krampf: Muskelkontraktionen, Beinrudern, Zittern und Gesichtszucken sind äusseren Anzeichen. Während des Krampfes verlieren die Hunde oft Wasser oder Stuhl und sabbern.
Andere krampfauslösende Erkrankungen können sein:
- niedriger Kalziumspiegel im Blut
- Unterzuckerung
- Hydrozephalus
- wandernde Darmwurmlarven
- Hirnentzündung nach Staupe
- Gehirnverletzung durch Gift oder Hitzschlag
- ererbte Veranlagung
Symptome
Die hier geschilderten Symptome sind für den leichten und den schweren Krampf gesondert dargestellt. Insbesondere beim leichten Krampf sind diese nicht immer leicht diesem zuzuordnen.
Leichter Krampf (petit mal)
- Bewusstseinsverlust für wenige Sekunden (wird oft mit Konzentrationsschwäche verwechselt)
- Kurzes Stolpern
- rasendes Graben ohne ersichtlichen Grund
- wiederholtes Luftschnappen
Diese Symptome sollten aber abgegrenzt werden von der Aktivität des Hundes beispielsweise nach einem Insektenstich, hier kommt es zu keinem Bewußtseinsverlust.
Schwerer Krampf (grand mal)
Ein schwerer Krampf besteht aus vier Stadien:
- Prodromalstadium: feine Wesensänderung (Starren ins Leere, Schnüffeln. Kann mehrere Stunden bis Tage dauern, fehlt oft oder wird vor einem Anfall übersehen)
- Aura: Verhaltensänderung oft in ein starkes Angstverhalten hinein (Heulen, Wimmern, Verstecken, Angst, Unruhe, starke Anhänglichkeit. Oft schwierig von anderen Stadien zu unterscheiden.)
- Iktus: Eigentlicher Anfall (Zusammenbruch, Bewusstseinsverlust, Versteifung des Körpers. Es folgen abnorme Muskelaktivitäten, Verlust von Wasser und Stuhl, Sabbern. Dieses Stadium kann Sekunden bis Minuten dauern. Selten verbleibt der Hund in diesem epileptischen Zustand.)
- Postiktus: Rückkehr des Bewusstseins (Der Hund ist benommen, verwirrt und hat Probleme beim Stehen beziehungsweise wirkt blind. Erschöpfungssymptome, Heißhunger oder unmotivierte Aggressivität gehen einher. Diese Orientierungslosigkeit kann Minuten bis Stunden dauern).
Auslösefaktoren: Genetisch bedingt oder durch äußere Einflüsse?
Strittig scheint, ob Epilepsie angeboren oder durch äußere Faktoren ausgelöst wird: Dr. med. vet. Maike Glien schreibt hierzu in Ihrer Dissertation "Etablierung von zwei chronischen Epilepsiemodellen und Detektion von spontan auftretenden Anfällen“ (aus dem Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, 2002)": "Eine Epilepsie wird als symptomatisch bezeichnet, wenn die spontanen Anfälle Folge einer eindeutig feststellbaren Grunderkrankung sind. Dem stehen die idiopathischen Epilepsien gegenüber, die auf keiner erkennbaren Ursache beruhen und „aus sich selbst heraus“ entstehen, d.h. in der Regel auf genetischen Faktoren basieren. Der Begriff kryptogen beschreibt eine Epilepsie, der vermutlich eine organische Ursache zu Grunde liegt, die jedoch verborgen ist.
In der Mehrzahl aller Erkrankungsfälle kann keine Ursache festgestellt werden. Nur etwa 25 % aller Epilepsien sind symptomatisch, wobei offene Kopfverletzungen, Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumen, degenerative Gehirnerkrankungen,Infektionen des zentralen Nervensystems und postnatale Komplikationen die häufigsten Auslöser sind (Hauser et al. 1993).
Epilepsien stellen in der Veterinärmedizin die häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen des Gehirns bei Hund und Katze dar. Beim Hund sind idiopathische Epilepsien häufiger als symptomatische, wobei gewisse Rassedispositionen auftreten und in der Mehrzahl Rüden betroffen sind (Löscher et al. 1985)."
Somit kann gesagt werden, dass die angeborenen Epilepsien in der Mehrzahl auftreten. Allerdings kommen oft mehrere äussere Faktoren zum genetischen hinzu, damit die Epilepsie zum "Ausbruch" kommt.
Bei folgenden Rassen ist das Auftreten einer Epilepsie häufiger: Golden Retriever, Cocker-Spaniel, Pudel, Bernhardiner, Irish Setter, Zwergschnauzer, Rauhhaar-Foxterrier, Dackel, Border Collie und Großer Schweizer Sennenhund.
Epilepsie und Zucht
Ähnlich wie bei anderen überwiegend erblichen Krankheiten wie HD oder CEA liegt es in der Verantwortung der Züchter, die Rasse der Border Collies von dieser Krankheit durch eine gezielte Auswahl der Zuchttiere langfristig zu befreien.
Nach Richtlinien von Prof. Dr. Jaggy sollte mit folgenden Hunden nicht gezüchtet werden:
- Wurfgeschwister von Epileptikern
- Wurfwiederholung der Elterntiere
Halbgeschwister von Epileptikern sollten nur mit Hunden verpaart werden, die erwiesenermaßen keine Epilepsie haben.
Aktuelle Studien
Das veterinärmedizinische Institut der Ludwig-Maximilian-Universität München sowie das Institut für Genetik der Universität Bern führen eine Studie durch, zu der sich Besitzer von kranken und auch gesunden Hunden anmelden können.
Studienthema: "In den letzten Jahren ist in Deutschland und in der Schweiz das häufige Auftreten von epileptischen Anfällen beim Border Collie aufgefallen. Dabei wird oft auch eine sehr schwere therapieresistente Form der Epilepsie beobachtet. Eine genetische Ursache wird vermutet, ist bisher aber nicht sicher nachgewiesen. Beim individuellen Patienten müssen daher immer auch andere Krankheiten, die ebenfalls zu epileptischen Anfällen führen können, ausgeschlossen werden. Wir untersuchen aktuell Vorkommen, Ursache und Verlauf von Epilepsie beim Border Collie. Im Rahmen dieser Studie sollen auch der Verwandtschaftsgrad und das Erbgut (DNA) in Blutzellen von Border Collies mit primärer (idiopathischer) Epilepsie untersucht werden."
Weitere Informationen sowie Fragebögen zum Downloaden sind auf folgenden Internetseiten zu finden:
- Veterinärmedizinisches Institut der Ludwig-Maximilian-Universität München
- Institut für Genetik der Universität Bern
Siehe auch
- Hüftgelenksdysplasie
- Collie Eye Anomalie
- Zucht
- Pedigrees
- Literatur Gesundheit Allgemein
- Fogle, Bruce
- Glien, Dr. med. vet. Maike
- Jaggy, Andre Prof. Dr.
- Tipold, Andrea
- Vandevelde, Marc
- Lang, Johann
- Fankhauser, Rudolf
Literatur
- Fogle, Bruce: "Das große Praxisbuch: So bleibt Ihr Hund gesund", Seiten 342 und 345, Dorling Kindersley Verlag GmbH, Starnberg, 2003, ISBN 3-8310-0445-5
- Glien, Dr. med. vet. Maike: Dissertation "Etablierung von zwei chronischen Epilepsiemodellen und Detektion von spontan auftretenden Anfällen", Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Hannover, 2002
- Jaggy, Andre Prof. Dr.: "Atlas und Lehrbuch der Kleintierneurologie", Schlütersche, Hannover 2005, ISBN 3-87706-739-5
- Jaggy, Andre Prof. Dr.: "Neurologische Notfälle beim Kleintier", Enke, 1997, ISBN 3-43229-581-2
- Jaggy, Andre Prof. Dr. / Tipold, Andrea: "Die neurologische Untersuchung beim Kleintier und beim Pferd", wak Verlag und Kunstberatung GmbH, 4.11.1999, 1. Auflage, ISBN 3-98042-503-7
- Vandevelde, Marc / Jaggy, Andre Prof. Dr. / Lang, Johann / Fankhauser, Rudolf: "Veterinärmedizinische Neurologie", Parey Bei Mvs, 2001, ISBN 3-82633-224-5
- Vandevelde, Marc / Jaggy, Andre Prof. Dr. / Lang, Johann / Fankhauser, Rudolf: "Veterinärmedizinische Neurologie. Ein Leitfaden für Studium und Praxis", Parey Bei Mvs, 2. Auflage, 2001, ISBN 3-83044-034-0
Weblinks
- Wikipedia-Artikel über Epilepsie allgemein
- Wikipedia-Artikel über Epilepsie bei Haustieren
- Hunde Erbkrankheiten Netzwerk bei hundezeitung.de
- Medizinische Kleintierklinik der Tierärztlichen Fakultät der Ludiwg-Maximilians-Universität München
- Beiträge in Internetforen:
