MDR-1-Gendefekt
MDR-1-GENDEFEKT
Der MDR1-Transporter (= Multidrug-Resistenz) ist an der Oberfläche von Endothelzellen lokalisiert, dies sind Zellen, die die Wand von Blutgefäßen von innen auskleiden. Der MDR1-Transporter ist dafür zuständig, daß toxische (giftige) Verbindungen und bestimmte Arzneimittel, wie zum Beispiel das Antiparasitikum Ivermectin, in den kleinsten Blutgefäßen des Gehirns zurückgehalten werden, als Schutzbarriere für das Gehirn (Blut-Hirn-Schranke).
Liegt nun ein genetischer Defekt im MDR1-Gen vor, so geht diese Schutzfunktion verloren und Substanzen wie z.B Ivermectin können ungehindert ins Nervengewebe eindringen. Bei diesen Tieren treten dann nach Verabreichung von Ivermectin starke neurotoxische Nebenwirkungen auf. Bei einer Dosis von 100-150 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht kommt es zu Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Zittern, Benommenheit, Erbrechen, Desorientiertheit, Pupillenerweiterung und vermehrtem Speichelfluß. Ab einer Dosis von 200 Mikrogramm kann es zu komatösen Zustanden und bis zum Tod des Tieres kommen.
Welche Hunderassen sind betroffen?
Es wurden 750 Hunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz getestet. Dabei wurde der Gendefekt bei
- Collies,
- Shetland Sheepdogs,
- Australian Shepherds und
- Border Collies
gefunden.
Arzneistoffe, die bei einem MDR1-Gendefekt vermehrt ins Gehirngewebe übergehen könnten:
- Ivermectin = Antiparasitikum
- Loperamid (enthalten in Imodium, Normakut) = Antidiarrhoikum
- Digoxin = Herzwirksames Glykosid
- Vincristin, Vinblastin, Doxorubicin = Zytostatika
- Cyclosporin = Immunsuppressivum
- Grepafloxacin, Sparfloxacin = Antibiotika
- Ondansetron = Antiemetikum
- Chinidin = Antiarrhythmikum
- Ebastin = Antiallergikum
- Dexamethason (Prurivet Lösung für die Haut, Tobradex Augensalbe, Otiprin Ohrentropfen, Voren Injektionssuspension) = Glucocorticoid
Der Institut für Pharmakologie und Toxikologie des Fachbereiches Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Iniversität in Gießen bietet einen Test auf Vorliegen des MDR1-Gendefektes an. Für die Untersuchung wird 1 ml EDTA-Vollblut vom Tierarzt abgenommen und an folgende Adresse geschickt:
Institut für Pharmakologie und Toxikologie Projektgruppe "MDR1-Defekt beim Collie" MZI 636 Frankfurter Str. 107 35392 Gießen / Deutschland
In einem Begleitschreiben soll Name und Anschrift des Besitzers, Name, Alter, Rasse und Geschlecht des Hundes und ob eine Arzneimittelunverträglichkeit bekannt ist angegeben werden: Antragsformular für Test auf MDR1-Gendefekt. Die Kosten für diesen Teste liegen bei 30,00 Euro.
Siehe auch
Weblinks
- www.tiermedizin.de Tiermedizin in Deutschland - Informationsdienste für Veterinärmedizin
- Justus-Liebig-Universität Giessen Fachbereich Veterinärmedizin
- Internetseite der Justus-Liebig-Universität über MDR1-Gendefekt